„Partizipation heißt, Entscheidungen, die das eigene Leben und das Leben der Gemeinschaft betreffen, zu teilen und gemeinsam Lösungen für Probleme zu finden“.[1]
„Alle Menschen haben das Recht, an der Gestaltung ihrer Lebenswelt mitzuwirken. Die Beteiligung von Kindern ist dabei unabhängig von ihrem Alter. Beteiligung ist immer möglich, von Geburt an.“
Folgende Punkte sind dabei in unserer Kita besonders wichtig:
„Kinder lernen Demokratie, indem sie die Demokratie erleben und selbst leben“ (Höhme-Serke/Behring/Beyersdorff 2012, S.141 / BBP S. 169).
Kindertageseinrichtungen werden gerne als die Kinderstuben der Demokratie bezeichnet. In unserer Kita können Kinder frühzeitig lernen, wie es ist, anderen gleichwertig und respektvoll zu begegnen, sensibel und verantwortungsvoll mit sich und anderen umzugehen und die eigenen Anliegen und Interessen zu vertreten, mit anderen zu teilen und auszuhandeln. Die Erzieher/-innen hinterfragen ihre pädagogische Praxis, ihr Verhalten gegenüber Kindern, ihr Bild vom Kind und ihr eigenes Rollenverständnis. Sie entwickeln neue Formen des Umgangs mit den Kindern, Eltern und auch untereinander. Unsere vorgelebte demokratische, auf Beteiligung basierende Alltagskultur lässt Kinder wie Erwachsene spüren und erleben, dass man sie als Persönlichkeit wertschätzt und ihre Bedürfnisse, Interessen und Sichtweisen respektiert. In einer solchen Umgebung können Kinder erfahren, wie es ist, in den Angelegenheiten, die einen selbst betreffen, mitentscheiden und mitbestimmen zu können.
Die Art und Weise des Aushandelns, der Ausdruck gegenseitiger Wertschätzung, die Bereitschaft, Kritik zu äußern und anzunehmen sowie die allgemeinen Umgangsformen, sind wichtige Bestandteile der unmittelbaren Bildungsumwelt der Kinder. Ein demokratisches Klima spürt das Kind in den vielfältigen Kontakten der Erzieher/-innen untereinander. Die Kommunikation und Zusammenarbeit im Team wirkt so als Vorbild für die Kinder. Bezogen auf Haltung und pädagogisches Selbstverständnis bedeutet das:
In den Bereichen Partizipation und Kinderschutz braucht die Gruppe der unter Dreijährigen das besondere Augenmerk von Fachkräften. Denn kleine Kinder sind existenziell angewiesen auf Bezugspersonen, die mit großer Achtsamkeit ihre Bedürfnisse und Signale wahrnehmen und respektieren. Sie brauchen aufmerksame Erwachsene, die getragen von Fachlichkeit und Sensibilität ihre Bedürfnisäußerungen interpretieren und darauf angemessen mit Nähe, Versorgung, Trost und Anregungen reagieren. Die Beteiligung kleiner Kinder bedeutet in erster Linie ein verlässliches Eingehen auf ihre Grundbedürfnisse (siehe auch Maslow’sche Bedürfnispyramide). Das wiederum braucht Freiräume in Organisations- und Raumgestaltung, in denen die individuellen Bedürfnisse (z. B. Schlafen, Rückzug, Wahl von Spielpartner/-innen und des Spiels) Platz haben.
Beteiligung: Die Kinder werden bereits im täglichen Morgenkreis über den Tagesablauf informiert und eingeweiht. Ihre Wünsche und täglichen Bedürfnisse liegen uns am Herzen. Bei fest oder spontan entschiedenen Projekten, Festen, Ausflügen und Angeboten können die Kinder selbst entscheiden, ob, wann und wie lange sie daran teilnehmen wollen. Die Erzieher/-innen fragen die Kinder auch spontan, wonach sie Lust haben oder die Kinder selbst können von sich aus Vorschläge machen. Sie können je nachdem mitsprechen, mitwirken, mitbestimmen, selbstbestimmen oder sich auch enthalten.
Kommunikation: Die Erzieher/-innen unterhalten sich von der Bring-/ bis zur Abholzeit durchgehend mit den Kindern. Dabei gehen sie auf ihre Augenhöhe. Sie hören ihnen zu und
unterhalten sich mit ihnen in kindgerechter Sprache und sie benutzen dabei Mimiken und Gestiken als Körpersprache, so dass die Kinder alles verstehen. Die Erzieher/-innen beantworten die Fragen der Kinder, die Kinder werden mit ihren Anliegen Ernst genommen und haben jederzeit die Möglichkeit, sich mitzuteilen, so auch beispielsweise beim Essen oder zur Schlafenszeit.
Umgang mit Konflikten: Die Kinder werden motiviert, für ihre Konflikte eigene Lösungsideen zu entwickeln und sich gegenseitig dabei zu unterstützen. Wenn sie die Hilfe der Erzieher-/innen benötigen, sind die Erzieher-/innen jederzeit für sie ansprechbar. Mit den Kindern wurden gemeinsam Regeln und Handlungsstrategien entwickelt: Sie heben die Hand und sagen deutlich “Halt Stopp. Ich möchte das nicht!” Sollten die Konflikte körperlich arden, unterstützen die Erzieher-/innen sofort. Wir geben jedem Kind die Möglichkeit, seine Sicht des Konfliktes zu erklären und regen sie an, gemeinsam eine Lösung zu entwickeln. Wir helfen ihnen dabei. Wir reden mit den Kindern über ihre Sorgen und Probleme.
Raumgestaltung: Zunächst einmal bekommen alle Räumlichkeiten eine Grundausstattung, nach den allgemeinen Bedürfnissen der Kinder. Später gehen wir auf die Bedürfnisse der Kinder ein, was die Gestaltung der Räumlichkeiten angeht oder auch auf die Auswahl der Spielsachen. Die Kinder haben die Möglichkeit, bei der Auswahl des Spielzeugs ihre Wünsche einzubringen. Somit wirken sie bei der Gestaltung ihres eigenen Spielraumes mit. Durch Freude, Spaß und Dankbarkeit zeigen sie uns, ihre Zufriedenheit.
Mahlzeiten: Die Kinder haben abwechselnd Tischdienst, decken mit den Erwachsenen den Tisch und bereiten das Mittagessen vor. Für die älteren Kinder gibt es eine Auswahl an verschiedenen Tischsprüchen, die sie sich aussuchen können. Für sie gibt es ein Büffet, damit sie selber entscheiden, was, wieviel und ob sie essen wollen. Für die Selbstbedienung gibt es kindgerechtes Geschirr und Besteck.
Die jüngeren Kinder bekommen auch ein Büffet, von dem sie wählen können.Sie werden von den Erzieher-/innen gefragt, was und wieviel sie essen möchten. Wir gehen auf Augenhöhe, schauen den Kindern in die Augen, benutzen dabei Mimik und Gestik und zeigen ihnen das Essen in der Schüssel. Sie können uns ihren Fähigkeiten entsprechend sprachlich oder mit ihrer Körpersprache mitteilen, ob, was und wieviel sie essen möchten. Wir fragen die Kinder, ob sie mehr haben wollen oder fragen sie, ob wir ihnen beim Essen helfen dürfen. Manche wollen von sich aus unsere Hilfe haben. Sie nehmen unsere Hilfe an oder lehnen sie ab. Die älteren Kinder räumen selbst auf und die jüngeren werden anfangs unterstützt, bis sie die Abläufe verinnerlicht haben.
Wahrnehmung der eigenen Bedürfnisse: Die Kinder, die aufgrund ihres Alters oder anderer Umstände ein Schlafbedürfnis haben, gehen freiwillig schlafen, andere ruhen sich nur aus. In der Ruhephase bestimmen die älteren Kinder selbst, wie sie sich ausruhen wollen. Das kann eine ruhige Selbstbeschäftigung, wie Bücher anschauen, hinlegen und ausruhen oder schlafen sein.
Die Erwachsenen achten darauf, dass die Kinder angemessen gekleidet sind, wenn wir in der Kita sind oder raus gehen wollen. Das Kind entscheidet in dem Moment mit, ob ihm kalt oder warm ist und ob es Kleidung an- oder auch ausziehen möchte.
Die Kinder entscheiden selbst, mit wem sie spielen wollen. Ob mit gleichaltrigen, jüngeren, älteren oder Kindern, die zu Besuch sind. Solange sie respektvoll miteinander umgehen, können sie miteinander spielen. Sollte es zu körperlichen Auseinandersetzungen kommen, oder ein Kind in der Situation unglücklich sein, werden sie räumlich getrennt.
Verantwortungsübernahme: Je nach Alter und Persönlichkeit des Kindes, bekommt es eine verantwortungsvolle Aufgabe von uns. Dies kann auch in Gruppen geschehen. Beispielsweise der Schulgarten: Sie pflanzen gemeinsam die Saat ein und pflegen sowie wässern sie. Später pflücken und essen sie sie auch gemeinsam zum Vesper. Die Kinder achten untereinander auf sich und auf die Materialien. Wenn wir die Räume verlassen, helfen uns die Kinder beim Aufräumen. Sie bekommen klare Aufgaben, für die sie Verantwortung tragen. Den verlässlichen Kindern werden einzeln Aufgaben erteilt, die sie gut umsetzten können und auf die sie auch stolz sind. Beispielsweise bringen sie Informationen oder Materialien von Raum zu Raum oder von einer Person zu einer anderen Person.
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